Ironman Hawaii 10.Oktober 2008                                                                                                             zurück

 

Nach dem Hammerergebnis beim Ironman in Frankfurt und ihrer Qualifikation für den Ironman Hawaii hat Silke Fiedler am 11. Oktober diesem legendären Wettkampf gefinished, der in diesem Jahr bereits seine 30. Auflage hatte. Das Ganze in der sehr respektablen Gesamtzeit von 11:56:20 (3,8km Schwimmen in 1:22:51, 180,2km Rad in 6:27:09 und Marathonlauf in 3:51:41) und “nur“ knapp eine Stunde länger als in Frankfurt. Aber natürlich sind weder die speziellen Wettkampfverhältnisse noch die klimatischen Bedingungen vergleichbar. Die 3,8km Schwimmen im Pazifik, dem “stillen Ozean“ wie er auch noch fälschlicherweise genannt wird, sind zwar küstennah und innerhalb der Bucht von Kailua, aber überhaupt nicht vergleichbar mit unseren Erfahrungen im Baggersee. Natürlich gibt es ordentliche Wellen die man beim Schwimmen richtig nehmen muss, damit einem der “Genuss“ der salzigen Brühe nicht doch nochmals das Frühstück durch den Kopf gehen lässt. Danach die 180km auf dem Queen Ka´ahumanu Highway hinunter nach Hawi und zurück, das heißt schnurgerade Straßen mit unberechenbaren Windboen, flirrende Hitze und eine schier endlose Einöde durch die Lavafelder. Dann der Marathon mit zwei Wendepunkten, im Süden in Keauhou, im Norden am Energy Lab, einer Forschungsstation für Regenerative Energien, der die Ironmen und -women alleine dreimal über den Kuakini Highway durch Kona führt. Hier presst die Hitze dann nochmals richtig die Flüssigkeit aus allen Poren und disziplinierte Flüssigkeitszufuhr und Kühlung des Körpers sind sowieso das A und O des ganzen Wettkampfes. Am Ende Einbiegen auf den Alii Drive, die Krönung für alle Finisher, um unter dem Jubel der Zuschauer und in einem emotionalen Rausch ins Ziel zu laufen. Lest nachfolgend Silkes Eindrücke:

 

Ironman Hawaii 2008

 

Am Sonntag, den 05. Oktober 2008 landen Jörg, Malin, Janis und ich nach einem langen Flug mit Zwischenstopp in San Francisco auf dem Flughafen in Kailua-Kona. Wir werden von unserem Tourorganisator Daniel Kezele und Team (es gibt also doch noch andere als Hannes Hawaii Tours) herzlich empfangen und alle bekommen duftende Leis, das sind die bekannten hawaiianischen Blumengirlanden, umgehängt. Anschließend auschecken, Leihwagen abholen und erst einmal erstmal etwas Einkaufen, damit der Kühlschrank in unserer Ferienwohnung gefüllt werden kann. Die Ferienwohnung ist super. Der Wohn- und Essraum ist groß, die Wohnung hat zwei Bäder, ist hell und freundlich eingerichtet. Wir fühlen uns von Anfang an hier wohl. Jörg baut auf dem Balkon mein Rennrad zusammen und wird dabei von den Mitbewohnern, hier heimischen bunten Geckos kritisch beobachtet.

Ankunft auf Hawaii                                                                                                 ... ein schillernd grüner Gecko

 

Den Nachmittag verbringen wir am Strand, gehen abends Essen und fahren anschließend zum Flughafen um Uwe abzuholen.

Für Montagvormittag ist gleich eine Radausfahrt vom Wendepunkt in Hawi zurück nach Kona auf der Wettkampfstrecke geplant. Uwe und ich wollen daran teilnehmen. Am Montag sind wir dann auch pünktlich um 7.00 Uhr am Treffpunkt. Unsere Räder werden verladen und wir fahren nach Hawi. Zum ersten Mal sind wir auf dem Queen Ka´ahumanu Highway unterwegs! Ich bin von der Landschaft beeindruckt. Rechts die Lavafelder und links der Pazifik, erst kurz vor Hawi gibt es wieder Bäume und Sträucher. Gegen halb zehn starten wir. Nach einer kleinen Verpflegungspause kommen wir um die Mittagszeit wieder in Kona an und haben auch schon erste Erfahrung mit den unberechenbaren Mumuku Winden gemacht, die Uwe beinahe von der Strasse gefegt hätten. Jörg und die Kinder haben unterdessen am Vormittag beim Powershopping (hawaiianische Blumenshorts, Hemden und Flip-Flpos müssen einfach sein!) erste Eindrücke von Kona gesammelt. Nachmittags entspannen wir an “unserem“ Strand.

die ganze Insel ist auf das Ironman Event eingestellt

 

Für Dienstag früh um 7.00 Uhr verabreden wir uns zum Schwimmen und fahren zum Pier in Kona. Es ist alles super organisiert. An einem Gatoradestand kann man seine Kleider, während man schwimmt, deponieren und bekommt nach dem Schwimmen eine Radflasche und ein Getränk. Das Schwimmen im Pazifik ist ein Genuss. Es bedarf zwar etwas Zeit, sich an die Wellen und die Strömung zu gewöhnen und hin und wieder nimmt man einen Schluck Salzwasser, das klare Wasser und die schönen Fische, die man sieht, entschädigen aber für die Anstrengungen. Ein besonderer Gag ist das Segelboot eines Kaffeeröstereibesitzers. Dieses Boot erreicht man nach etwa 400-500m schwimmen und bekommt dort einen Espresso gereicht. Das ist schon witzig, morgens um halb acht im Pazifik einen Espresso zu trinken. Von diesem Angebot mache ich nun täglich Gebrauch!!!

Die Woche vergeht mit einer morgendlichen Schwimmeinheit, kurzen lockeren Läufen und Ausflügen um die schöne Insel näher kennen zulernen.

Am Mittwoch geht’s zur Registrierung. Ich hole meine Startunterlagen und erhalte noch mein Ironman-Armband. Donnerstag nicht zu vergessen der Underpants Run. Jörg, Jannis und Uwe sind dabei und tragen die LahnLaender Pants zur Schau.

Präsentation der LahnLaender Pants...                              ... beim Underpants Run

 

Dann ist schon Freitag und ich fahre mit Markus (Markus ist aus Essen und wohnt mit in Uwe´s Appartement) zum Check In. Dort bekommen wir Helfer zugewiesen, die uns begleiten und beim Einrichten der Wechselzone behilflich sind. Zurück in der Wohnung lege ich meine Sachen für den Wettkampftag zurecht, esse eine Portion Pellkartoffeln mit Quark und gehe früh schlafen.

Um kurz vor vier Uhr werde ich dann geweckt. Ich konnte tatsächlich relativ gut schlafen und fühle mich ausgeruht. Zum Frühstück gibt es Kaffee und eine Schale Müsli. Dann noch die restlichen Sachen packen, verabschiede mich von Jörg und gehe zu unserem Treffpunkt. Markus ist auch schon da. Wir warten auf unseren Shuttle, der uns zum Pier zu fahren wird. Zuerst geht’s zum Bodymarking, dann nochmals zu meinem Rad, befülle die Trinkflaschen, deponiere meine Sonnenbrille und prüfe den Luftdruck in den Rädern. Jetzt nur noch den Kleiderbeutel abgeben und warten. Ich halte noch mal nach Jörg, den Kindern und Uwe Ausschau, kann sie aber in der Menge der Menschen nicht ausfindig machen. Daniel kommt zu mir und gibt mir noch ein paar Tipps. Nach der Nationalhymne und dem Start für die Profis heißt es nun auch für mich: einschwimmen!!! Um 7.00 Uhr fällt dann aus einer Kanone der Startschuss.

 

Morgens Punkt 7:00 Uhr ein Kanonenschuss und Schwimmstart zum Original Ironman 

Ich versuche mich links außen zu halten, muss aber wegen der Strömung aufpassen, nicht zu weit abgetrieben zu werden, möchte aber auch nicht in das dichte Gedränge geraten. Hin und wieder bekomme ich dann doch einen Tritt ab, das lässt sich wohl nicht vermeiden. Ruhe bewahren, weiter schwimmen, locker bleiben. Irgendwann ist der Katamaran in Sicht - Wendepunkt!  Auf dem Rückweg müssen wir gegen die Strömung schwimmen. Wenn man aber schon mal die Hälfte hinter sich hat, geht vieles leichter. Nach 1:22 Stunden habe ich die erste Disziplin geschafft und laufe unter den Süßwasserduschen hindurch. Ich hole meinen Kleiderbeutel und ziehe mich im Zelt um. Eine Helferin hilft mir beim abtrocknen und cremt mich mit Sonnencreme ein. Ich streife mir noch meine neuen weissen Armlinge bester Sonnenschutz und prima zum Kühlen) über und ab geht´s zum Rad. Nun sehe ich auch endlich meine Familie und Uwe.

Silke unterwegs in den Lavafeldern

Hoch motiviert und freudig trete ich in die Pedale. Die ersten 50km auf dem Rad laufen dann auch relativ gut. Der Wind ist noch recht verhalten. Dank Uwe´s Lenkerflasche trinke ich regelmäßig und nehme alle 45-60 Minuten ein Energiegel zu mir. Bereits 18 Meilen vor Hawi kommt mir dann der im Moment Führende, Torbjörn Sindballe entgegen. Noch knapp 30km bis zum Wendepunkt! Aber diese Kilometer haben es dann in sich. Der Wind wird immer stärker. Die Mumuku Winde sind unberechenbar und die starken Böen lassen ein Fahren in Aeroposition oft nicht zu. Die letzten 16 km vor Hawi werden dann durch die Steigung nochmals zusätzlich erschwert. Endlich bin ich in Hawi. Jetzt geht es erstmal bergab. Ich kann wieder neue Kräfte sammeln. Zurück nach Kona durch die Lavafelder bläst mir ein ordentlicher Wind entgegen. Ich weiß, dass ich keine super Radzeit haben werde, versuche dennoch mir meine Energie vernünftig einzuteilen, ich muss ja noch einen Marathon laufen! Irgendwie gelingt es mir, diese Strecke zu genießen und das Bewusstsein an welchem Wettkampf ich hier teilnehme, lässt auch die schwierigen Abschnitte vergessen.

 

Kurz vor dem zweiten Wechsel sehe ich wieder „meine Leute“. Das tut gut!!! Ich gebe mein Rad ab, laufe ins Zelt und ziehe mich um. Gedanklich bin ich wohl schon auf der Laufstrecke und vergesse deshalb meine Laufkappe aus dem Kleiderbeutel zu nehmen. Die freundliche Helferin lässt meinen Kleiderbeutel noch mal heraussuchen, ich nehme meine Kappe und trabe los. Ich ärgere mich noch über die Zeit, die ich so lange in der Wechselzone verbracht habe. Was soll´s, das hier ist jetzt meine Disziplin! An der Palani Road sehe ich wieder meinen Fanblock und werde kräftig angefeuert.


Der LahnLaender Fanblock...                                                                                           .... beim Marathonlauf

Die ersten fünf Kilometer brauche ich um meinen Ryhtmus zu finden. Dann genieße ich den Rückweg vom ersten Wendepunkt auf dem Alií Drive. In Kona stehen wieder mehr Leute an der Stecke. Jörg ruft mir zu, dass Markus gerade gefinisht hat. Ich freue mich riesig für Markus, er hat seine Zielzeit (9:30 Std., 5. Platz AK M40!!!) erreicht. 

Mit neuer Motivation laufe (!) ich die Palani Road hoch, hinaus auf dem Highway zum Natural Energy Lab. Während des Laufens nehme ich nur noch Cola und Gatorade zu mir. Meine Arme kühle ich mit Wasser und schütte mir immer wieder Eiswürfel ins Trikot. Die Strecke zum NEL scheint ewig zu sein. Ich merke jedoch, dass ich mir meine Kräfte gut eingeteilt habe, denn ich überhole immer mehr Läufer. Die meisten geben mir ein „good job!“ mit auf den Weg. Dann kommt der Wendepunkt am Energy Lab. Noch mal eine Steigung hoch und endlich auf dem Highway nach Hause. Meine Beine fühlen sich gut an, ich laufe die Palani Road hinunter nach Kona zum Alií Drive. Ab jetzt ist irgendwie alles Wahnsinn! Ich werde förmlich von Gänsehaut geschüttelt, kann kaum fassen, dass ich es geschafft habe, der Zieleinlauf! Durch die Lautsprecher höre ich die Stimme von Mike Reilly: „Silke Fiedler, Germany, you are an Ironman!“. Unglaublich! Jörg, Malin und Janis kommen zu mir und gratulieren mir. Ich freue mich so sehr und weiß, dass ich ohne meine Familie nie hierhin gekommen wäre!

Finish in 11:56h …                                                                   … und so breit lacht eine Ironwoman

 

Schon ein paar Tage nach dem Ironman Event kehrt in Kona wieder Ruhe ein, die Bürgersteige werden hochgeklappt und die Szene gehört für die nächsten 12 Monate wieder den Einheimischen und im deutlichen Kontrast zu den vergangenen Tagen meist etwas zu dicken US Rentnern.

Die perfekte Organisation, das ganz besondere Flair im Umfeld von fast 2000 Triathleten und deren begeisterten Anhang, das lockere Ambiente machen diesen Ort so legendär. Jeder der mal hier war, möchte gerne wieder einmal dorthin zurück, so auch die fünf LahnLaender von 2008, sei es als Teilnehmer oder Zuschauer. Wer ist der nächste Qualifikant der LahnLaender? Wir möchten alle gerne mit!