Drei LahnLaender finishen beim Ironman in Frankfurt                        zurück

Sportler und 300.000 Zuschauer trotzen Wetterkapriolen


Bei den Ironman European Championships in Frankfurt (3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren, 42,2 km Laufen) am Sonntag 23.07.2006 behaupteten sich gleich drei LahnLaender erfolgreich. Marc Hofmann gab hier mit einer Zeit von 11:00:58h sein Langstreckendebut, für Uwe Druschel (11:17:20h) war es die zweite, für Karl-Heinz Lüdemann (13:48:49h) bereits die dritte Teilnahme.

Früh am Sonntagmorgen um 7:00Uhr startete Hessens Ministerpräsident Koch den Wettkampf und gleichzeitig 2080 losschwimmende Teilnehmer brachten den Langener Waldsee zum Kochen. Erstmals in der Geschichte des Ironman Germany durften die Athleten aufgrund der hohen Wassertemperaturen von knapp 25°C die 3,8km lange Schwimmstrecke nicht mit einem Neoprenanzug schwimmen.

Anschließend ging es auf die 180 km lange Radstrecke durch die Wetterau. Hierbei wurden die Triathleten gleich zu Beginn von heftigem Gewitterregen-güssen abgekühlt. Die nun nassen, schmierigen Straßen führten selbst bei den Favoriten zu zahlreichen Stürzen, von denen die LahnLaender glücklicherweise verschont blieben. In den zahlreichen Stimmungsnestern entlang der Radstrecke kam Tour-de-France-Stimmung auf. Speziell am “Heartbreak Hill“ in Bad Vilbel trieb ein dichtes Spalier von begeisterten Zuschauern die Radler den Vilbeler Berg hinauf.

Ein kompletter Marathonlauf auf vier Runden in der Frankfurter Innenstadt beiderseits des Mainufers bildete die Abschlussdisziplin. Hier hatten die Sportler bei nun strahlendem Sonnenschein mit der tropischen Sommerhitze von über 30°C zu kämpfen.

Im Zielkanal am Römerberg angeheizt vom HR3 Radio Team herrschte Partystimmung mit Zehntausenden Zuschauern, die jeden Finisher – auch noch die Allerletzten welche nach 16h gerade noch in die Wertung kommen  – frenetisch jubelnd empfingen.

 

Was bleibt? Eine körperliche, wie mentale Grenzerfahrung, Gänsehaut beim Zieleinlauf, Medaille und Finisher T-Shirt, dazu eine entbehrungsreiche, monatelange Vorbereitungsphase. Aber auch eine tiefe Zufriedenheit über das bestandene, ungewöhnliche sportliche Abenteuer.

 

 

Die Einzelergebnisse der LahnLaender:

                                                                  

                                        Schwimmen/Rad/Lauf           Gesamt

Marc Hofmann                 1:20:21/ 5:27:15/4:07:46          11:00:58h

Uwe Druschel                  1:22:37/5:25:25/4:17:06           11:17:20h

Karl-Heinz Lüdemann    1:32:50/ 6:31:43/ 5:25:26         13:48:49h

 

Wie es einem dabei geht beschreibt Marc Hofmann in seinem persönlichen Erfahrungsbericht:

 

Nach den letzten Tagen der Vorbereitung mit Mörder-Hitze haben wir schon gedacht, wir können einpacken und bräuchtenunsere Zielzeiten erst gar nicht zu versuchen. Zumal ich seit vergangenem Sonntag erkältet war - ganz toll: monatelang trainiert und nichts und dann ein dicker Hals. Dann noch der bisher einmalige Fall, dass ein Neoprenverbot ausgesprochen wird. Da ging die Einschätzung eher auf 12h oder mehr, wenn überhaupt bei temperaturen von 35°C.

Die letzte Nacht war kurz, ab 0Uhr mal bis 3Uhr geschlafen, aber auf einmal war ich hellwach. Um 4Uhr zum Rebstockbad, um 5Uhr Shuttle-Bus zum Langener Waldsee. Eigentlich ordentlich Zeit, aber zum Schluss wird es doch wieder hektisch: ins Vorderrad geht nicht mehr Luft, und es fühlt sich zu platt an, na ja, jetzt ist’s zu spät für Experimente.

Auf Toilette auch noch mal. Puh! Dann aber noch mal und die Schlange ist lang! Nur noch gut 10 Minuten bis zum Start, über 2000 Athleten drängen ins Wasser, Nieselregen. Riesenbreite Startaufstellung, der See mit 25°C ohne Neo frisch, aber angenehm. Die Nationalhymne geht etwas unter und dann fällt schon der Startschuss. Die Nase zu, fühle mich nicht so überragend!

Es geht los, Ironman 2006, monatelang darauf vorbereitet, jetzt mach was draus! Bis zum Landgang ein ganz schönes Gewatze, selten kann man den Rythmus halten, immer schwimmt einer quer. Läuft aber recht gut, auch ohne Neo wenig Beinschlag im Einsatz. Landgang nach 37 Minuten, und weiter. Nach 1:20 aus dem Wasser - die Stoppuhr ist ausgefallen. Unser Fanblock Silke, Katja, Susi und Kai am Ufer rufen mir zu.

 

Schnell in die Wechselzone, 3. Gang, Pos. 1106, Regen und auf die Radstrecke. Ich verliere schon nach 500m die erste Radflasche, trinke aus der 2. regelmäßig. 12km Anfahrt, Bundesstrasse, flach, denke schon ich hätte einen Fehler gemacht beim Ändern der Schuhe und der Satteleinstellung (noch am Donnerstag ohne Probe!), da die Beine krampfen. Aber nach 15km fühlt sich alles gut an. Schnitt z. Zt. 37km/h. Locker rollen, ja nicht zu dicke Gänge drücken. Zuschauer mäßig noch wenig los, Bergen-Enkheim, The Hell mit den ersten Zuschaueranfeuerungen, Hühnerberg, dann ein Starkregen, die Strasse ist voll Wasser! Aber ich freue mich, wenn es regnet werde ich nicht von der Sonne getoasted! Das ist mein Wetter! Karben, Bad Nauheim, Friedberg, Schnitt ca. 33,5km/h, schnellste Annahme waren 31,5km/h gewesen. Zu schnell? Erst mal am Straßenrand pieseln. Wichtig, immer trinken, alle 45-60 Min ein Gel und ein Riegel. Im Kreisel stürzt einer vor mir. Uff, gaaanz laaangsam! Bad Vilbel Heartbreak Hill. Lasse mich anstacheln und überziehe etwas, aber noch alles okay. Und dann in die 2. Runde!

Am Berg immer schön locker, Gang rausnehmen und überholen lassen, in der Gerade auf dem Aerolenker richtig drücken,super!Ich habe erstaunlich wenig Rückenschmerzen. Schon sind es 100km in 2:55h, 120, 140km, es läuft weiter mit 33,5km/h! Uwe sagt, wenn Du mal in Bad Nauheim bist, ist die Radstrecke quasi gelaufen, locker weiter, keinen Platten jetzt!

Hinein in die Innestadt, jetzt vorbereiten zum Laufen, voll im Plan gegen 13:50 in die Wechselzone. Super Betreuung durch persönliche Helfer, Helm ab, Socken und Schuhe wechseln, Kappe auf, Sonnencreme auf die Schultern. Die Laufschuhe sind trotz Tüte naß, Mist! Laufe mit einer Flasche Gatorade los, 1. km 4:45Min, läuft gut, weiter etwas langsamer, Brücke rauf, ins Gebüsch schon wieder pieseln und weiter bei jetzt brennender Sonne. Alle 1,5km Versorgung, Wasser trinken, Salz in Tütchen, Kuchen, Schwämme zum kühlen, bei jedem Stand! Nach 5km merke ich, daß ich eine Blase bekomme, lasse sie beim Sani-Stand abtapen (2Min!). Erste Runde sehr gut in 55Min, voll im Plan auf die 11h! Zweite Runde auch okay, schon schwerer, 58Min. Dann ab km 22 wird es ganz schwer, Brücke rauf und das erste Mal gehen.

 

Es fällt jetzt schwer zu trinken und zu essen, halte mich immer naß und kühl, aber jetzt wird’s hart. Dritte Runde in 1:05, aber komm, die 3. ist die schwerste! Nach Hause läuft es dann, denke ich mir. Aber so einfach ist der Marathon dann auch wieder nicht, brauche einige Mal 7Min/km, gehe dann ein paar Mal, der innere Schweinehund ist aktiv. Ich glaube, die 11h sind weg. Dann noch 5km, weiter! Plötzlich denke ich, es könnte doch noch klappen, gebe nochmals Gas, es läuft besser, dann wieder ein zäher Kilometer, es reicht nicht ganz, aber ganz egal, optimaler hätte das Rennen kaum laufen können!

Dann am Mainkai einbiegen, auf zum Römerberg, jetzt ist es nur noch geil, abklatschen der Zuschauer, reiße die Arme nach oben und jubele den Zuschauern zu, Tunnelblick, die Uhr zeigt 11:00:58 und ich überquere überglücklich  die Ziellinie! Bekomme die Medaille und kühlende Handtücher umgehängt, werde in den Athlete´s Garden geleitet, einfach genial. Insgesamt eine Super Organisation, tolle Betreuung, optimal. Bin vollauf zufrieden mit dem Wettkampf. Ich hätte nie gedacht 33,5km/h zu fahren und dabei locker zu bleiben. Daß 58 Sekunden zur 11h-Marke fehlen ist unwichtig, ein optimaler Wettkampf, wo ich nie ernste Motivations- oder Muskelprobleme hatte, es hat (fast) immer Spaß gemacht und der Zieleinlauf ist das Größte, wenn er auch schnell und irgendwie unbewußt vorbegeht. Nach 2-3 Tagen ist wie nach einem Marathon der Muskelkater weg  und alles wieder fit. ich Werde nächstes Jahr nicht wiederstarten, da gibt es eine  Kurz-/Mitteldistanz- Saison, aber ich sage nicht "nie wieder"!

Aber andere stehen schon wieder bereit. Schon eine Woche nach dem Rennen 2006 ist der nächste Ironman Germany am 1. Juli 2007 ausgebucht. Mit dabei von den LahnLaendern Karl-Heinz Lüdemann und Bernd Bremser. Noch 328 Tage 14Stunden und 18 Minuten bis zum Start!