Die Gourmetecke 
18.12.2000
die topaktuellen Ergebnisse einer Weizenbier Blindverkostung
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Wie angekündigt, war es an der Zeit, endlich den blinden Zuspruch zu irgendeinem Gebräu, die Versprechungen der Werbung und manche eingefahrene Gewohnheit mit objektiven Fakten zu belegen, bzw. natürlich auch zu widerlegen. Desweiteren mußte endlich einmal, auch für zukünftige LahnLaender Partys, das ultimative Weizenbier gefunden werden. 

Zu diesem Zweck fanden sich vier Experten als Jury zusammen, die aus einer repräsentativen Auswahl sechs verbreiteter Marken von hellem Hefeweizen mittels einer Blindverkostung der Unwissenheit ein Ende setzen sollten. 

Die Jury:

Axel H., anerkannter Lebensmittelexperte von feinkost.de mit feinsensorischen Fähigkeiten und ausgeprägter Ansprache.
Karsten R., der rationale Spezialist für die physikalischen Getränkeeigenschaften und virtuoser Analytiker.
Michael W., gefürcheteter Verkoster (nicht nur für Bier) mit besonderem Augenmerk für die Bewertungsmerkmale Schluck- und Aufstoßverhalten.
Eberhard L., Moderator der Runde und Konsumentenvertreter, der eher den spontanen Eindruck einbringt. 


Getränkeauswahl:
Zur Verkostung standen jeweils vier Flaschen, natürlich für die Tester nicht erkennbar, folgender Marken an:

1. Schöfferhofer Hefeweizen, Kassel, 1,20DM/Fl
2. Paulaner Hefe-Weißbier, München, 1,10DM/Fl
3. Germania Hefe-Weizen, Frankenthal/Pfalz 0,75DM/Fl
4. Prinzregent Luitpold Weissbier, Kaltenberg/Bayern, 1,30DM/Fl
5. Franziskaner Hefe-Weissbier, München, 1,10DM/Fl.
6. Denninghoff`s Weisse, Giessen, 1,10DM/Fl
Das Ergebnis:
Die Experten hatten die Kriterien Farbe, Schaumbildung und -konsistenz, Geruch, Geschmack, Nachgeschmack und Abgang zu bewerten, daneben konnte jeder zusätzlich persönliche Eindrücke zu einer Gesamtbenotung von 1-6 zusammenfassen.

Die Ergebnisse überraschen die Experten nicht, denn wie bei allen Warentests bestätigte sich, daß ein hoher Preis oder hoher Bekanntheitsgrad nicht unbedingt ein Garant für gute Qualität ist. Aber auch, daß eine preiswerte Marke nicht zwangsläufig ganz hinten landen muß. 
 

Rangliste:
1.Paulaner            7,5 Punkte
2.Schöfferhofer     10,0 Punkte
3.Luitpold             11,75 Punkte
4. Denninghoff`s  13,25 Punkte
5. Germania          14,25 Punkte
6. Franziskaner    16,25 Punkte
Details der Urteile:
Paulaner wurde einhellig von allen Testern wegen seines kräftig-würzigen, ausgewogen Geschmacksbildes und der feinporigen, stabilen Schaumkrone überragend bewertet.

Schöfferhofer, bekannt durch seine erotische Werbung landete auf Rang zwei, wobei die physikalischen Eigenschaften denen des Paulaner durchaus ebenbürtig sind, der Geschmack erschließt sich aber erst langsam und zwei der Tester werteten wegen es seines leicht bitteren Nachgeschmack ab.

Prinzregent Luitpold, in der Aufmachung und im Preis im oberen Segment, wurde von allen Testern als spritzig/spratzelig und etwas kohlensäurelastig empfunden, die Schaumkrone fällt schneller zusammen, trotzdem reichte es noch für Rang drei.

Denningshoff`s, als lokales Getränk im Test, konnte nicht überzeugen. Einhelliger Tenor der Geschmacksbewertung grob, unausgewogen, säuerlich, trotzdem noch Rang vier, weil es von allen Bieren mit seiner etwas dunkleren Bernsteinfarbe einfach am besten aussieht.

Germania, das Billigprodukt in der Testreihe fiel sofort wegen seines sehr hellen Teints und wenig Hefetrübung unangenehm auf und konnte auch geschmacklich nicht überzeugen. Die Bewertung reichte von schal, fad, wässrig bis muffig. Mehr wie Rang fünf war daher nicht drin.

Franziskaner, die eigentliche Überraschung, weit verbreitet und bekannt, trotzdem ein Flop. War die Schaumkronenentwicklung und -konsistenz noch mittelmäßig, fiel die sensorische Prüfung vernichtend aus. Süsslich, zu hefig, lau und ohne ausreichende Würze waren noch gelinde Beschreibungen, die weiter bis hin zu kotzig reichten.

Nach abschließender Diskussion der Wertungen war man sich einig, daß derartige Tests natürlich kontinuierlicher Kontrolle bedürfen und selbstverständlich auch noch andere Marken, wie z.B. Maisel`s (Populärmarke), Weihenstephaner (ähnlich wie Luitpold eher eine Exclusivmarke)  oder Erdinger in die Testreihen einbezogen werden müssen. Auch sollen die dunklen Sorten eine separate Bewertung erfahren. Indirekt wurden die Testergebnisse noch am gleichen Abend bestätigt. Nach getaner Arbeit verbrachte man noch einige Zeit in gemütlicher Runde, wobei erste Planungen für den LahnLaender Internetauftritt kurz abgestimmt und einige Ideen zur automatisierten Wettkampf- und Rundenauswertung für den nächsten LahnLaender mittels Transponder und PC (ähnlich dem Championchip System) ausgetauscht wurden. Dabei blieben von den jeweils vier zur Verfügung stehenden Flaschen vom Paulaner keine, vom Schöfferhofer eine, von Luitpold zwei und den restlichen Marken jeweils drei zurück (nur die Testflaschen wurden geleert). Na dann Prost!

Es kann nur EINES geben! 

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