Rennbericht 6.LahnLaender 2000 - Der Milleniums LahnLaender
6. LahnLaender
Es kann nur Einen geben !
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Datum: 23.09.2000
Zeit: 16:15 - 17:57 Uhr

Ort: neue Sportanlage Dorlar, 400 m Bahn
Wetter: 18 °C, heiter bis wolkig, trocken, windig

Teilnehmer:
Hengst, Axel
Hofmann, Marc
Jung, Stefan
Lepper, Chris
Lepper, Eberhard
Muthreich, Marcus 
Rauber, Karsten
Scheithauer, Erik
Schiek, Stephan
Wagner, Martin
Willig, Jürgen
Willig, Michael

Plazierung: 
1. Lepper, Eberhard 58 Runden 01:42:06
2. Willig, Michael 57 Runden 01:42.06
3. Hofmann, Marc 36 Runden 01:00:22 
4. Hengst, Axel 34 Runden 00:58:56
5. Wagner, Martin 30 Runden 00:50:31
6. Lepper, Chris 26 Runden 00:43:18
7. Willig, Jürgen 19 Runden 00:31:29 
8. Schiek, Stephan 19 Runden 00:31:15
9. Rauber, Karsten 18 Runden 00:29:11
10. Jung, Stefan 08 Runden 00:15:02
11. Scheithauer, Eric 05 Runden 00:10:34
12. Muthreich, Marcus 02 Runden 00:03:36
 

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Rennverlauf:
Zum Start des Millenium-Lahnländers auf der neuen und sehr schönen Sportanlage im Waldgirmeser Ortsteil Dorlar wurde mit 12 Teilnehmern noch nicht die obere Teilnehmergrenze erreicht, so dass im Gegensatz zu vielen anderen Läufen der Saison kein Anmeldestop verkündet werden musste. Fast alle Teilnehmer waren bereits alte Lahnländerhasen, lediglich Jürgen Willig hatte nach seiner Rückkehr in die Heimat endlich Zeit gefunden, sich im Kampf um den Lahnländer zu beteiligen. Leider konnte Titelverteidiger Matthias Wagner nicht teilnehmen. Er wäre bei einer Teilnahme sicher wieder Topfavorit gewesen, ohne ihn gingen die Meinungen und Wetten der Experten und Zuschauer auseinander. Ein spannender und langer Wettkampf stand bevor, der alles bisher da gewesene in den Schatten stellen sollte. Die Augen der Welt wären sicher trotz Olympia auf Dorlar gerichtet gewesen, wenn dieser Lauf im Fernsehen übertragen worden wäre. 

Das Rennen war sehr schnell, Karsten Rauber begann mit der alten Taktik, erst einmal einen Vorsprung zu erlaufen, um dann ein kleines Polster zu haben, wenn er Schlapp macht. Bereits nach 2 Runden war mit Marcus Muthreich das erste Tempoopfer zu beklagen. Nachdem er im letzten Jahr 3 Läufer hinter sich lassen konnte, hatte er in diesem Jahr sicher nicht mit einem so frühen aus gerechnet. Vielleicht gibt dies ja den Ausschlag, sein Training nach der Schule wieder aufzunehmen. Für Lehrer an der Waldorfschule ist schließlich Körper und Geist wichtig. In der vierten Runde übernahm der immer starke Axel Hengst die Führung und schluckte sogleich Erik Scheithauer, der mit 5 Runden und einer Zeit etwas über 10 min im Rahmen seiner letzten Ergebnisse blieb. In Runde 9 war es dann für Stefan Jung gelaufen, der sofort ein Taschentuch zückte und wohl etwas Atemprobleme bekommen hatte.

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An der Spitze liefen Axel Hengst gefolgt von Eberhard Lepper. Auf den weiteren Plätzen dann Ultra Michael Willig und der vierfache Sieger der ersten Jahre Marc Hofmann. Jürgen Willig konnte sich als Neuling im gesicherten Mittelfeld behaupten. Ab der 13. Runde lieferten sich am Ende des Feldes Stephan Schiek und Karsten Rauber den schon seit Jahren immer knappen Kampf, wer wohl als erster von beiden die Segel streichen muss. In den folgenden Runden konnten sie den Atem des seit der 15. Runde führenden und sehr stark laufenden Eberhard Lepper spüren. Einige Positionskämpfe kosteten auch die letzten Reserven, daher kam in der 19. Runde das Aus für Karsten Rauber. 

In der 20. Runde übernahm Michael Willig den Stab. Wollte er es endlich wissen und den Sieg erlaufen oder wollte er es sich nur nicht nehmen lassen, seinen Bruder Jürgen, der bereits in Reichweite für einen Zwischenspurt war, aus dem Rennen zu werfen? Jedenfalls sackte er in kurzem Abstand zunächst Stephan Schiek und dann auch Jürgen Willig ein und sah für lange Zeit wie der sichere Sieger aus. Die 6 im Rennen verbliebenen Läufer sollten alle die magische Grenze von 10 km schaffen. In einer extrem schnellen Zeit (über 3 min schneller als im Vorjahr) von 41:25 min setzte Michael Willig ein Zeichen, dass er gewillt und wohl auch in der Lage dazu war, den Lahnländer für sich zu entscheiden. Es folgten Eberhard Lepper (41:41), Marc Hofmann (42:17), Axel Hengst (42:30), Martin Wagner (42:56) und Chris Lepper (43:11).

Für Chris Lepper waren dann die 10 km auch genug und er verabschiedete sich in Runde 27 aus dem Rennen. Der sehr stark laufende Martin Wagner hielt bis zur 31. Runde durch und konnte mit dem 5. Platz sein bisher mit Abstand bestes Resultat erzielen. Die in den vergangenen Monaten abgespulten Trainingskilometer hatten sich also gelohnt. Auch Axel Hengst konnte mit seinem Ausscheiden in der 35. Runde zufrieden sein, hatte er doch mangels Training nicht mit einem so guten Ergebnis gerechnet. Da es nun Schlag auf Schlag ging, ahnte unter den Zuschauern keiner, welches Drama sich in der kommenden dreiviertel Stunde abspielen sollte. Erst recht nicht, nachdem auch Mitfavorit Marc Hofmann in der 37. Runde seinen Belastungen durch Schlafmangel in Verbindung mit ausschweifendem Alkoholgenuss im Harlem, seiner Berufstätigkeit und nicht zu vergessen der letzten Nacht bei seiner Freundin Tribut zollen musste. Hier zeigte sich wieder deutlich, dass alte Sportlerweisheiten von abgeschlossenen Trainingslagern vor wichtigen Wettkämpfen noch immer gelten. Michael Willig lief weiter ruhig seine "Danone-Taktik" und ließ sich im Gegensatz zu vergangenen Jahren im gesamten Rennen zu keinem Zwischenspurt hinreißen.

Die folgenden 20 Runden sollten in die Geschichte des Lahnländers eingehen. Zunächst stärkten sich die beiden noch im Rennen verbliebenen Michael Willig und Eberhard Lepper in der 37. Runde mit Wasser (oder hatte Eberhard Lepper noch eine Zaubertrank in seiner persönlichen Flasche, die er Runde für Runde weiter trug?). Beide wurden getrennt von einer halben Runde. Da Michael Willig deutlich frischer aussah und weiter an Boden gut machte, gingen alle von einem Ende um die 45. Runde aus und Karsten Rauber ließ sich zu einem Steak als Sonderpreis für Eberhard Lepper hinreißen, falls dieser das Rennen noch gewinnt. Und tatsächlich holt er ab der 44. Runde kontinuierlich wieder auf. Im Publikum wurde bereits ob der fortgeschritten Zeit darüber spekuliert, ob sich Michael Willig als erfahrener Ultramarathonläufer eine Taschenlampe mitgenommen hat und wer sich von beiden wohl besser mit Vaseline eingegecremt hat. Die weiteren Runden rissen das immer lauter werdende Publikum förmlich von den Bänken und die Leistung Eberhard Leppers wurde in höchsten Tönen gelobt. Zitat aus den Zuschauerreihen: "ist ja Wahnsinn für das Alter!". Das wird ein Rekord für die Ewigkeit, da waren sich alle einig. In Runde 48 spitzte sich die Lage weiter zu, Michael Willig vermeldete leichte Krämpfe. Runde 49: Eberhard Lepper hat eindeutig Blut geleckt, bleibt aber skeptisch: "der taktiert doch nur!". Wahnsinn: in Runde 50 noch vor der 20 km Marke übernimmt Eberhard Lepper die Führung! 
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Die 20 km werden in 1:28:48 bzw. 1:28:56 passiert. Welch eine Zeit! Man kann die Gedanken der Zuschauer und den bereits ausgeschiedenen Teilnehmern förmlich im Gesicht und an ihren Sprüchen ablesen: diese Leistung des ältesten Teilnehmers im Feld motiviert alle für die nächsten Jahre! Runde 54: bereits 200 m Vorsprung für Eberhard Lepper, kann Michael Willig als erfahrener Ultra noch mal kontern? 

NEIN! 

Eberhard Lepper macht weiter Druck und selbst die Kinder, die mittlerweile das Tempo von Michael Willig locker mitgehen und ihn frenetisch anfeuern, können das Schicksal nicht mehr aufhalten. Zu Beginn der 58. Runde schlägt Eberhard Lepper nach langgezogenem Spurt den von Krämpfen deutlich gezeichneten Michael Willig. Völlig ausgepumpt aber glücklich, unter tosendem Beifall der Zuschauer nimmt Eberhard Lepper Ehrung, Preis und Wasserkannisterdusche entgegen. 

Welch ein Tag in der Geschichte der Menschheit: In Sydney gewinnen die Superstars Marion Jones und Maurice Greene über 100m Gold und in Dorlar kann Eberhard Lepper mit dem Gewinn des Lahnländers noch einen drauf setzen.

Es kann nur EINEN geben!